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In schweren Stunden mit Gefühl zur Seite stehen

4. Januar 2018|

Der Verein Hospiz Lorch e. V. kümmert sich seit 20 Jahren um Sterbende und ihre Angehörigen. Der Tod wird weiterhin oft tabuisiert, doch das Gespräch darüber hilft vielen Menschen, die schweren Stunden zu verarbeiten. Viele Ehrenamtliche helfen engagiert mit.

Dem Leben nicht mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben geben: Mit diesem Gedanken legte in den 60er Jahren die englische Ärztin Cicely Saunders den Grundstein für die Hospizbewegung. Als sich die früher üblichen Großfamilien immer mehr auflösten, fühlten sich Sterbende zunehmend allein gelassen. „Sterbe- und Trauerbegleitung war bis dahin gar nicht bekannt“, erzählt Sieghart Dreher. Er brachte die Hospizgruppe Lorch auf den Weg, die am 9. November im evangelischen Gemeindehaus ihr 20-jähriges Bestehen feiern konnte. An diesem Abend erhielten auch Gudrun und Sieghart Dreher die Ehrenmitgliedschaft für ihren langjährigen Einsatz.

Gute Entwicklung

Im Februar 1996 fand die erste Sitzung statt, zwei Monate später kamen die kirchlichen Gemeinden und die Stadt Lorch mit an den Tisch. Am 23. September 1997 wurde der Verein Hospiz Lorch mit 12 Mitgliedern gegründet. Bis heute ist im Ostalbkreis mit acht weiteren Gruppen eine gemeinsame Ausbildung zur Sterbe- und Trauerbegleitung der Ehrenamtlichen entstanden.

Frauendomäne

Damals wie heute überwiegt im Lorcher Hospizdienst der Frauenanteil deutlich. „Sieghart Dreher und ich sind die einzigen Männer“, sagt der Vorsitzende Rainer Molt.

Er sei schon oft bei Veranstaltungen der einzige „Quotenmann“ gewesen. Seine Erklärung dafür: „Männer tragen ihre Gefühle weniger nach außen“. Und bei der Tätigkeit als Sterbe- und Trauerbegleiter sei es unvermeidbar, sich auch mit sich selber, mit seinem eigenen Tod und Sterben auseinanderzusetzen.

Kampf gegen Tabuisierung

Leider sei das Thema auch heute noch mit einem großen Tabu behaftet. „Es wird in der Öffentlichkeit und auch bei vielen Menschen am liebsten verdrängt“, weiß Inge Kwatsch. Sie ist seit rund fünf Jahren in der Hospizgruppe engagiert. Die Beweggründe für ihr Ehrenamt entstanden durch persönliche Erlebnisse beim Begleiten ihres schwerstkranken Mannes. An ihrem früheren Wohnort kam ohne eine Anfrage ihrerseits eine Sterbebegleiterin, die in einer Art vorging, die Inge Kwatsch nicht nachvollziehen konnte. „Ich wusste nur, so kann eine Sterbebegleitung nicht sein“, erinnert sie sich. Nach dem Umzug nach Weitmars schloss sie sich der Hospizgruppe an – etwa ein halbes Jahr nach dem Tod ihres Mannes.

Ausreichend trauern

Das sei ganz wichtig für die freiwilligen Begleiter, betont Rainer Molt. Mindestens ein halbes Jahr solle ein persönlicher Verlust zurückliegen: „Sonst ist man immer zu sehr mit den eigenen Gefühlen dabei.“ Denn die Hospizarbeit sei auch immer ein Wechselspiel von Nähe und Distanz.

Aus eigenem Leid zum Helfer

Hermine Steinhübl ist seit 10 Jahren als Begleiterin tätig, oft im Stiftungshof im Haubenwasen in ihrem Wohnort Pfahlbronn. Sie hat ihre Mutter im Sterben begleitet, zu einer Zeit, als das Thema Hospiz noch nicht bekannt war. „In dieser Zeit habe ich viel fürs eigene Sterben gelernt“, sagt sie. Durch ihre Arbeit lebe sie bewusster, sei demütiger. Die Motivation für ihr ehrenamtliches Engagement? „Die Sterbenden und die Angehörigen sind so dankbar“, hat Hermine Steinhübl sehr oft erfahren. „Wir begleiten ja nicht nur die Menschen, die schwer krank sind, wir entlasten auch die Angehörigen“, erklärt Rainer Molt, „wir lösen sie bei der Versorgung ab, helfen mit der Situation umzugehen und begleiten sie in der Zeit der Trauer.“ Er betont, dass Hospiz Lorch e. V. keine Pflege übernehme, sondern sein Angebot als Ergänzung zu den pflegenden, medizinischen und seelsorgerischen Diensten betrachte.

„Wir begleiten ja nicht nur die Menschen, die schwer krank sind, wir entlasten auch die Angehörigen.“ Rainer Molt, Vorsitzender

Erstgespräche wichtig

„Viele meinen auch, wir machen nur Sterbebegleitung“, weiß Marlis Barnefsky, die seit zweieinhalb Jahren der Hospizgruppe angehört und vor einigen Monaten das Amt der Einsatzleiterin von Gudrun Dreher übernommen hat. „Ich führe die Erstgespräche mit den Menschen, die uns rufen, sei es Angehörige oder Schwerstkranke, die von uns begleitet werden möchten“, erzählt Marlis Barnefsky. Auch für die Mitglieder im Verein sei sie Ansprechpartnerin für alle Sorgen und Nöte. Regelmäßiger Austausch ist wichtig: Bei den Treffen alle vier bis sechs Wochen kann jeder über das reden, was auf ihm auf dem Herzen liegt oder belastet. Das ist nur innerhalb der Gruppe möglich – denn jeder Ehrenamtliche ist an die Schweigepflicht gebunden und hält sich daran.

Unabhängig betreuen

Jeder kann sich an Hospiz Lorch e. V. wenden – egal welcher Konfession er angehört, ob er gläubig ist oder nicht. Kulturelle und religiöse Unterschiede sollen dennoch nicht außer Acht gelassen werden. So kam Rainer Molt auf den Gedanken, sich über die Sterbebegleitung muslimischer Patienten zu informieren. Bisher gebe es zwar noch keine Anfrage, man wolle aber vorbereitet sein.

Für jeden ein Gewinn

Alle Sterbe- und Trauerbegleiter haben eine anerkannte Hospizausbildung absolviert. 2018 wird in Schwäbisch Gmünd wieder eine Veranstaltung angeboten. Über neue Mitglieder freut sich die Hospizgruppe jederzeit. Sieghart Dreher und Rainer Molt sind überzeugt, dass Hospizarbeit für jeden ein Gewinn sei.

Sie wünschen sich, dass das Thema mehr in das öffentliche Bewusstsein rücke, kein Tabu mehr sei: „Viele wollen sich nicht damit beschäftigen, wenden sich erst an uns, wenn die Belastung zu groß ist.“

Hier Unterstützung zu geben, zu beraten und in der schweren Zeit beizustehen – das sei ihre Aufgabe, die sie sehr gerne übernehmen. Dann die Dankbarkeit zu spüren, sei eine große Freude und Anerkennung.

Rainer Molt betont „Die Menschen, die unsere Hilfe in Anspruch nehmen wollen, sind für mich Menschen, die Stärke zeigen. Zugeben, dass man in einer Situation nicht mehr allein zurechtkommt, ist für mich nicht Schwäche, sondern Stärke.“

Inge Kwatsch musste schon oft erklären, warum sie diese Arbeit mache. „Wir gehen von Geburt an auf den Tod zu, das gehört einfach zum Leben dazu“, ist sie überzeugt und fügt hinzu: „Niemand sollte allein sterben“. Die Frage, woher sie die Kraft nehmen, anderem in den schweren Stunden beizustehen, beantworten alle gleich: „Ohne unseren Glauben könnten wir es nicht machen, der Glaube hilft sehr.“ ub

So unterstützen Sie den Hospizverein Lorch

Die Sterbe- und Trauerbegleitung ist ein wichtiger Teil der Hospizarbeit. Dafür werden immer neue Mitglieder gesucht, die Sterbenden und Angehörigen helfen oder sich anderweitig ehrenamtlich engagieren möchten.

Doch auch mit finanzieller Unterstützung kann man einiges in der Hospizarbeit bewegen. Daher freut sich der Verein jederzeit über Spenden auf das Konto:

Hospiz Lorch e. V., Kreissparkasse Ostalb, IBAN: DE22 6145 0050 0800 0311 45, BIC: OASPDE6AXXX

21.12.2017, 10:41, Pressebericht von Ute Betz, Gmünder Tagespost, 73513 Schwäbisch Gmünd

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