Mit den Liebsten über den Tod sprechen

Der ehemalige Bundeminister Franz Müntefering sprach am 10. September in der Lorcher Stadtkirche auf Einladung des Vereins Hospiz über das Thema „Sterben in unserer Zeit“ . Dabei fand er klare und deutliche Worte.

Vor mehr als 100 Zuhörern sprach der jetzige Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen und betonte: „Sterben bleibt eine schlimme Sache. Eine Katastrophe für jeden Einzelnen.“

Herr Müntefering hat in seinem Leben zweimal „Sterbehilfe“ geleistet. Bei seiner Ehefrau und bei seiner Mutter. Allerdings nicht in der Form, wie das Wort „Sterbehilfe“ in der heutigen Gesellschaft verstanden wird. Denn die lehnt er ab. Er habe seinen Angehörigen „nicht beim Sterben, sondern im Sterben geholfen“. Soll heißen: „Ich war für sie da, haben mit ihnen gesprochen, habe sie auf ihrem letzten Weg begleitet- auch wenn es mir manchmal schwer fiel“, erklärte Müntefering seine persönliche Art der „Sterbehilfe“.
Zu Beginn seines Vortrags ging Müntefering zunächst auf die immer älter werdende Gesellschaft ein und auf die Probleme, die der demographische Wandel in Deutschland mit sich bringt. Einsamkeit, Hilflosigkeit, Depressionen. Um dem vorzubeugen sei es für jeden Einzelnen wichtig, schon früh selbst Vorkehrungen zu treffen. Mit einer Patientenverfügung. Einer Vollmacht. Einem Testament. Oder ganz einfache Dinge schon im Voraus zu planen- wie die Gestaltung der Beerdigung, die Gästeliste und Speisekarte. So hat es zumindest Münteferings Mutter kurz vor ihrem Tod gemacht, erzählte er von seinen ganz persönlichen Erfahrungen. Und vor allem sollte mit dem Partner oder der Partnerin über den Tod gesprochen werden- „damit Menschen, die man am liebsten hat, wissen, was man selbst will“.
Ganz wichtig sei außerdem, dass Menschen am Ende ihres Lebens nicht alleine sind. Dass es jemanden gibt, der für sie da ist. Ihnen zuhört. Ihnen hilft. Sie pflegt und begleitet. So wie es zum Beispiel die Mitarbeiter in der Hospizarbeit und Palliativmedizin machen.
Nicht zuletzt seien auch Staat und Politik gefordert, wenn es um die Betreuung alter, kranker und sterbende Menschen gehe. Doch egal welche Hilfe einem auch angeboten wird, so Müntefering zum Abschluss seines Vortrages: „Sterben bleibt eine schlimme Sache. Eine Katastrophe für jeden Einzelnen.“ Doch „es gehört zum Leben dazu“.

Zum Abschluss des Abends wurden noch langjährige Mitglieder des Vereins Hospiz Loch geehrt. Insgesamt 15 Frauen und Männer halten dem Verein seit 20 Jahren die Treue.

(Quelle „Gmünder Tagespost vom 10. September 2019″)

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